Da ganze Bua a Depp. Da hilft auch kein schöner Scheitel.
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Es gibt Momente, da fehlen einem die Worte. In Bayern kommt das eher selten vor. Hier fehlt höchstens die Bereitschaft, mehr als sechs davon zu verwenden.
Der Bua hat gerade erklärt, dass er den schweren Schrank allein die Treppe hinunterbekommt. Jetzt steht der Schrank quer, die Wand hat ein Loch und unten ruft einer: „Geht’s?“
Oben sagt keiner etwas.
Dann fällt dieser Satz:
„Da ganze Bua a Depp.“
Keine Rückfrage. Kein ausführliches Gutachten. Der Sachverhalt ist ausreichend beleuchtet.
Das Wort „ganze“ leistet hier Schwerstarbeit
„A Depp“ wäre schnell gesagt. Das kann einem herausrutschen, wenn jemand den Haustürschlüssel sucht, während er ihn in der Hand hält. Passiert. Auch Leuten mit Abitur.
Aber „da ganze Bua“? Da wurde offenbar gründlicher geprüft.
Da geht’s um ein Gesamtkunstwerk. Um einen Menschen, bei dem Idee, Ausführung und anschließende Erklärung so sauber ineinandergreifen, dass man kurz anerkennend nicken möchte. Wenn’s nicht gerade die eigene Wand wäre.
Besonders schön ist der Kontrast: Der Bua steht da, kerngesund, ordentlich angezogen, vielleicht sogar frisch beim Friseur gewesen. Von außen alles vorhanden. Und dann macht er den Mund auf.
„Also theoretisch hätt’s funktionieren müssen.“
Ja. Theoretisch hättest auch vorher nachmessen können.
„Des geht scho“ – der Anfang vieler Familiengeschichten
Manche Sätze sollte man nur mit Sicherheitsabstand aussprechen.
„Des hält.“
„Da komm i durch.“
„I hab des im Internet g’sehn.“
Und natürlich der Klassiker: „Lass mi amoi.“
Wer „Lass mi amoi“ sagt, übernimmt vorübergehend die Führung. Fachkenntnisse werden dabei nicht zwingend überprüft. Es reicht, wenn man entschlossen genug auf das Problem zugeht und jemandem das Werkzeug aus der Hand nimmt.
Fünf Minuten später ist das Problem größer. Dafür sind jetzt alle beteiligt.
Einer holt ein Seil. Einer sucht die Leiter. Einer sagt zum dritten Mal, dass er’s gleich gewusst hat. Und der Bua, um den sich inzwischen der gesamte Sonntagnachmittag dreht, findet die Aufregung übertrieben.
„Is doch nix passiert.“
Die Dachrinne sieht das anders.
Der Bua muss übrigens längst kein Bua mehr sein
Er kann zwei Kinder haben, einen ordentlichen Beruf und eine beachtliche Sammlung an Bohrmaschinen.
Das schützt ihn vor gar nichts.
Sobald er auf die Idee kommt, mit dem Bürostuhl als Leiter die Weihnachtsbeleuchtung aufzuhängen, ist er wieder der Bua. Und die Mutter braucht nicht einmal den Raum ganz zu betreten, um die Lage zu erfassen.
Ein Blick auf die Rollen. Ein Blick auf den Mann. Dann dieser Gesichtsausdruck, der sagt: Ich hab mir solche Mühe gegeben.
Manchmal folgt noch ein leises „Mei“.
Das macht’s schlimmer.

Zwischen Kopfschütteln und Zuneigung
Natürlich kommt’s darauf an, wer’s sagt und wie. Aus dem Mund eines Fremden klingt der Spruch schnell ganz anders als am Küchentisch zwischen Menschen, die sich seit Jahrzehnten kennen.
Dort kann in dem Satz neben ehrlicher Fassungslosigkeit auch erstaunlich viel Zuneigung stecken.
Man hält den Bua schließlich trotzdem an der Leiter fest. Man fährt ihn trotzdem heim. Man stellt ihm trotzdem einen Teller hin.
Nur die Geschichte wird er nicht mehr los.
Der kaputte Gartentisch ist längst ersetzt. Das missglückte Einparkmanöver liegt zwölf Jahre zurück. Aber kaum sitzt die Familie beisammen, lehnt sich einer zurück und sagt:
„Wisst’s ihr no, damals …“
Der Bua weiß es noch.
Er hatte gehofft, die anderen wären inzwischen vergesslicher.

Und dann ist man plötzlich selber dran
Das ist der unangenehme Teil: Man liest so einen Spruch und hat sofort jemanden vor Augen.
Den Bruder. Den Spezl. Den Nachbarn mit dem Hochdruckreiniger und den sehr eigenen Vorstellungen von Elektrik.
Man selbst gehört selbstverständlich zu den Vernünftigen.
Bis man das Handy mit der Taschenlampe des Handys sucht. Oder beim Rückwärtsfahren überzeugt ist, dass der Poller gestern noch nicht da war.
Dann wird’s still.
Irgendwo schaut jemand auf. Man kennt diesen Blick. Man weiß, was jetzt kommt.
Und ganz ehrlich: In dem Moment hat man sich den Satz redlich verdient.
Da ganze Bua a Depp. Aber unser Depp.
Und falls dir beim Lesen ständig derselbe Spezl eingefallen ist: Den Spruch gibt’s bei Echt Bayrisch auch zum Anziehen.